Amtliche Hinweise zur Zwangsversteigerung

 

Für Bietinteressenten
Bei einer Zwangsversteigerung von bebauten und unbebauten Grundstücken, Eigentumswohnungen oder Teileigentumsrechte (Garagen, Stellplätze etc.).

 

1. Veröffentlichung:

Die Anzeigen über die Versteigerungstermine werden in den Amtsgerichten ausgehängt oder in der Ortpresse veröffentlicht.

 

2. Versteigerungsart:

Es gibt zweierlei Arten der Zwangsversteigerung: Zum einen die Vollstreckungsversteigerung, zum anderen die Teilungsversteigerung. Die Immobilien bzw. Grundstücke werden im Rahmen einer Zwangsvollstreckung, d.h. im Auftrag eines Gläubigers (Bank), wenn der Eigentümer seinen Kreditverpflichtungen nicht mehr nachkommt, bzw. zur Auflösungen einer Gemeinschaft (z.B. Erbengemeinschaft) versteigert.

 

3. Ortsbesichtigung:

Da es keinerlei Gewährleistung für das ersteigerte Objekt wegen Mängelhaftung und Vollständigkeit seitens des Amtsgerichts und INCOS Group gibt, auch wenn der tatsächliche Bestand von der Grundbuchbeschreibung abweicht, ist eine persönliche Besichtigung des Objektes unerlässlich. Eigentümer und Bewohner sind aber nicht verpflichtet, das Betreten des Grundstücks oder die Innenbesichtigung zu gestatten. Es ist deshalb wichtig zunächst bei Sachverständigen und Nachbarn nachzufragen, ob Mieter oder der nur der Eigentümer im Haus wohnen. Mit Zustimmung der Gläubigerbank ist es durchaus möglich ein Grundstück auch dann noch vom Eigentümer zu kaufen, wenn bereits die Versteigerung angeordnet ist. Allerdings ist es nicht empfehlenswert, weil die Schulden sehr hoch sein können. Das Amtsgericht oder die Bank können es nicht verkaufen.

 

4. Gutachten:

Zu jedem Versteigerungsobjekt liegt bei Gericht ein Gutachten vor. Es wird in der Regel vom Amtsgericht bei unabhängigen Gutachtern bestellt und dient als Grundlage für den zu bestimmenden Verkehrswert. Es soll verhindert werden dass das Objekt unter dem Marktwert verkauft wird. Der Gutachter soll den gegenwärtigen Zustand des Objekts und evtl. die Baumängel ermitteln. Es ist besonders den Grundbuchauszug zu beachten.

 

5. Ausländer:

Ausländer können auch bei der Versteigerung ihre Gebote abgeben. Jeder Bietinteressent aus dem Ausland, auch juristische Personen mit Sitz außerhalb der EU, kann in Deutschland ohne besondere Genehmigung Grundbesitz ersteigern.

 

6. Verkehrswert:

Der Verkehrswert ergibt sich aus dem Wertgutachten. Der Verkehrswert kann für die Bietinteressenten eine Orientierungs sein. Er muss jedoch nicht geboten werden, weder als Mindest- noch als Höchstpreis. Wenn das abgegebene Meistgebot 50% des festgesetzten Verkehrwertes nicht erreicht, muss der Rechtspfleger von Amts wegen den Zuschlag versagen. Wenn im ersten Versteigerungstermin das Meistgebot 70% des Verkehrswertes nicht erreicht wird, kann ein antragsberechtigter Gläubiger (Bank) die Zuschlagsversagung beantragen. Wurde aus einem dieser Gründe der Zuschlag bereits einmal versagt, gelten die 5/10- und 7/10- Grenzen nicht mehr.

 

7. Geringstes Gebot:

Das geringste Gebot ist der niedrigste Betrag, der geboten werden darf. Es hat keinerlei Bezug zum Wert des Grundstücks. Das Gericht muss das geringste Gebot nach rechtlichen Regeln feststellen und im Versteigerungstermin bekanntgegeben. Das geringste Gebot setzt sich zusammen aus dem Mindestbargebot und gegebenenfalls den bestehen bleibenden Rechten. Der Bieter muss mindestens diesen Betrag bieten. Manchmal werden Gebote unter 5/10 im ersten Termin abgegeben. Der Bieter bekommt dann zwar keinen Zuschlag, aber im nächsten Termin könnte dann diese Grenze entfallen sein. Wenn im ersten Termin keine Gebote, mindestens das geringste Gebot, abgegeben sind, endet der Termin ergebnislos und die 5/10 und 7/10 Grenze im wiederholten Termin erhalten bleibt.

 

8. Versteigerungstermin:

Jeder Bieter muss geschäftsfähig sein und sich durch einen amtlichen Ausweis mit Licht-bild legitimieren können. Falls mehrere Personen zusammen bieten wollen, müssen alle anwesend sein oder es müssen notarielle Vollmachten für die Abwesenden vorlegt werden. Es muss auch das Beteiligungsverhältnis, z. B. bei zwei Personen: je ½ angeben werden. Der Vertreter einer juristischen Person, einer Handelsgesellschaft oder einer Einzelfirma müssen Ihre Vertretungsberechtigung durch einen beglaubigten Handelsregisterauszug neuesten Datums nachweisen (nicht älter als 3 Wochen). Wer als Vertreter eines Dritten bieten will, muss eine öffentlich - beglaubigte Bietungsvollmacht vorlegen (Beglaubigung durch Notar oder Ortsgericht).

 

9. Bietzeit beträgt mindestens 30 Minuten

Die Bietzeit beträgt mindestens 30 Minuten. Nach Ablauf der Bietzeit wird verkündet noch weitere Gebote abzugeben. Es wird empfohlen "runde" Gebote längst vor dem Ende der Bietungszeit abzugeben.

 

10. Sicherheitsleistung

Jeder Bieter muss bei der Angabe des Gebotes damit rechnen, Sicherheit leisten zu müssen. Die Sicherheitsleistung ist grundsätzlich in Höhe von 10% des in der Terminbestimmung veröffentlichen Verkehrswertes zu leisten, mindestens jedoch die Kosten des Verfahrens, die im Versteigerungstermin bekanntgegeben werden. Die Sicherheit muss sofort geleistet werden. Kann dies nicht geschehen, wird das Gebot zurückgewiesen. Auf Grund einer Änderung des Zwangsversteigerungsgesetzes können Sicherheitsleistungen ab dem 16.2.2007 nicht mehr im Termin durch Mitbringen von Bargeld erbracht werden. Diese Sicherheitsleistung kann erbracht werden durch: Bundesbankschecks und Verrechnungsschecks, Überweisung auf das Konto der Gerichtskasse und Bankbürgschaften.

 

11. Gewährleistung

Das Zwangversteigerungsgesetz schließt jede Gewährleistung aus. Für die Anmeldungen der Steuerbehörden gibt es seitens des Amtsgerichts keine Gewähr, auch wenn der tatsächliche Bestand von der Grundbuchbeschreibung abweicht. Es muss immer einen "Risiko-Abschlag" einkalkuliert werden.

 

12. Die Bezahlung des Meistgebotes

Der Meistbietende muss spätestens im Verteilungstermin- 2 Monate- nach dem Versteigerungstermin den von ihm gebotenen Betrag abzüglich der bereits in der Bietstunde hinterlegten Sicherheitsleistung an das Gericht zahlen. Dazu hat der Ersteigerer das bare Meistgebot auf ein Konto der Gerichtskasse so rechtzeitig zu überweisen, dass die Buchung bereits vor dem Verteilungstermin erfolht ist und im Termin ein Nachweis über die Zahlung vorliegt. Eine Hinterlegung ist auch möglich. Der Hinterlegungsschein ist spätestens im Verteilungstermin vorzulegen. Das bare Meistgebot muss vom Zuschlagstag an (mitgerechnet) bis zum Tag des Verteilungstermins (nicht mitgerechnet) mit 4% verzinst werden.

 

13. Stellen Sie Ihre Finanzierung sicher

Das Meistgebot muss bereits vor dem Eintrag des Eigentums ins Grundbuch bezahlt werden. Es wird empfohlen, Kontakt mit den in Frage kommenden Kreditinstituten vor dem Versteigerungstermin oder spätestens sofort nach dem Zuschlag aufzunehmen.

 

14. Eintragung im Grundbuch

Falls der Verteilungstermin stattgefunden hat, der Zuschlagsbeschluss rechtskräftig ist, und eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes dem Gericht vorliegt, kann de Bieter als Neueigentümer ins Grundbuch eingetragen werden. Dazu fällt die Grunderwerbsteuer des Finanzamts (in Höhe von 3,5 % der Summe von Meistgebot und bestehenbleibender Rechte) und die Zuschlagsgebühr ( in Höhe von 0,5% - 0,6% der Summe von Meistgebot) an.